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Accueil > BIBLIOTHEQUE > L’exégèse islamique > Ouvrages en allemand > Der Islām, mit Ausschluss des Qor’āns (Joseph SCHACHT)

Der Islām, mit Ausschluss des Qor’āns (Joseph SCHACHT)

SCHACHT (Joseph), Der Islām, mit Ausschluss des Qor’āns, Tübingen, J. C. B. Mohr, ("Religionsgeschichtliches Lesebuch in Verbindung mit fachgelehrten Herausgegeben von Alfred Bertholet ; 16"), 1931, XII+196 p.

L’auteur

Joseph Schacht, d’origine allemande, fut professeur d’arabe et d’islamologie à l’Université de Columbia à New-York. Spécialiste de droit musulman, ses ouvrages restent encore aujourd’hui des références dans ce champ d’étude.

Préface

Die hier dargebotene Auswahl religiöser Quelleiitexte des Islam erhebt
keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Daß der Qor’än mit Absicht weg-
gelassen ist, kommt schon im Titel zum Ausdruck. Seine Ausscheidung
war notwendig, um Raum für Urkunden der späteren Geschichte des Islam
zu gewinnen, und ohne weiteres möglich, Weil von ihm genügende, z, T.
vorzügliche deutsche Übersetzungen, vollständig und in Auswahl, vorliegen.
Auch sonst habe ich Texte, von denen es zuverlässige deutsche Übersetzungen
gibt, nicht noch einmal wiedergegeben. Solche Übersetzungen, die als Er-
gänzung dieser Zusammenstellung in erster Linie in Betracht kommen, sind
in den Literaturangaben namhaft gemacht. Doch auch für sich allein hofft
diese Auswahl ein alles Wesentliche umfassendes Bild der religiösen Ent-
wicklung des sunnitischen Islam seit dem Tode des Propheten zu geben,
soweit sie sich in zur Übersetzung geeigneten Dokiimenten ausprägt. Dabei
habe ich mich bemüht, innerhalb des zur Verfügung stehenden Rahmens
die für den Islam als Religion charakteristischen Seiten besonders hervor-
treten und auch die modernen Strömungen hinreichend zu Worte kommen
zu lassen. Von den Sekten wurden nur die Sfiten insofern berücksichtigt,
als sie die Entwicklung des sunnitischen Islam zu beleuchten geeignet sind ;
doch habe ich von dem als Vertreter der mu’tazilitischen Dogmatik auf-
genommenen al-’AUäma al-Hüli (Nr. 13) auch noch wenigstens das kurze
Kapitel über das Imämat, das sfitische Grunddogma, wiedergegeben.

Die Anordnung des Stoffes in Kapiteln entspricht jener, die sich für die
Behandlung des Islam wiederholt bewährt hat ; ihrer praktischen Brauch-
barkeit mögen einige inhaltliche Überschneidungen zugute gehalten Werden.
Den Grundstock des ersten Kapitels über die Tradition bildet die Aus-
wahl der 40 religiös bedeutsamsten Traditionen, die ein islamischer Gelehrter
vom Range des an-Nawawi getroffen hat und die hier in extenso wieder-
gegeben ist ; diese Sammlung ist zugleich ein Dokument der islamischen
Frömmigkeit des 7. = 13. Jahrhunderts und spielt bis zur Gegenwart für
das religiöse Bewußtsein vieler Muslims eine bedeutende Rolle. Ergänzt
wird ihr Inhalt durch Traditionen, die ich selbst aus den kanonischen Samm-
lungen ausgewählt habe, darunter die klassischen Berichte über das religiöse Leben des Propheten selbst. Weitere Traditionen über den Propheten stehen
bei Qädi ’Ijäd (Nr. 51). Das religiöse Gesetz ist vertreten durch die
Behandlung des grundlegenden Prinzips des Konsensus der islamischen Ge-
meinde seitens as-Säfi’is, des Begründers der islamischen Rechtswissenschaft,
und das Kapitel über die Beschaffenheit des rituellen Gottesdienstes aus
eiaem Werk al-Gazälis, das einen der HöhepTinkte ihrer Systematisierung
darstellt, tjber die erkenntnistheoretische Grundlage des göttlichen Ge-
setzes handelt al- Bagdad ! (Nr. 17, Kap. 9, Frage 14). An der Spitze der
Urkunden zur Dogmatik steht die von Professor Wensestck rekon-
struierte echte älteste Gestalt des Glaubensbekenntnisses des Abu Hanifa,
deren charakteristischer Zug die Hinstellung polemischer Sätze gegen die
Sekten ist. Von Ahmad ibn Hanbai, dem Typ Tind Vorbüd der jeder dog-
matischen Spekulation abgeneigten Altgläubigen, habe ich die Aussprüche
über dogmatische Fragen aus einer Handschrift der Sammlung Taimür
Pascha in Kairo exzerpiert ; ein späterer Anhänger dieser Richtung kommt
mit Ahmad Guläm Halil zu Worte. Ebenfalls aus einer Handschrift der
Sammlung Taimür Pascha sind die Abschnitte aus dem Werk von Ibn
Huzaima, einem Vertreter der alten Anthropomorphisten, entnommen. Die
mu’tazüitischen Stücke werden eingeleitet durch die Lehren eines der be-
deutendsten Mu’tazüiten, des an-Nazzäm ; der Tatsache, daß sie aus einer
antimu’taziHtischen Streitschrift exzerpiert werden mußten, ist durch die
Hinzufügung der Verteidigung an-Nazzäms durch den späteren Mu’tazüiten
al-Haijät, soweit sie sachlich Neues bringt, Rechnung getragen worden.
Weitere Vertreter der Mu’tazila sind der alte zaiditische Imäm al-Qäsim
ibn Ibrahim und der spätere imämitische Dogmatiker al-’"Alläma al-Hilli.
Endlich wird die Zusammenfassung der Lehre der Mu’taziUten über die
Einheit Allahs von al-As’ari geboten, der sich, obgleich er sich aus einem
Anhänger zu einem Gegner der Mu’tazüiten entwickelt hat, dm:ch strengste
Objektivität auszeichnet. Als Gegenstück ist die Lehre des anti-mu’tazi-
litischen Dogmatikers ’Abdallah ibn Kulläb über die Namen und Eigen-
schaften Allahs, ebenfalls nach al-As’ari, aufgenommen Worden. Daneben
halte man die Lshre des Mystikers Ibn Masarra (Nr. 33). Das Glaubens-
bekenntnis des al-As’ari selbst ist zwar aus der Auseinandersetzung mit den
Mu’"taziliten entstanden, bedeutet aber die Rückkehr zu der Lehre der Alt-
gläubigen vom Typ des Ahmad ibn Hanbai. Die Synthese aus ihr und den
Denkformen der Mu""taziliten ist erst das Werk der as’aritischen Schule,
als deren Vertreter al-Bagdädi gewählt wurde ; seine Angaben über die dog-
matische Richtung der Qadariten, einen Vorläufer der mu’tazilitischen,
zeigen zwar bereits den schematisierenden Zug der späteren doxographischen
Literatur, für die sein Werk typisch ist, können aber in diesem Falle für
die fehlenden Originaldokumente eintreten. Al-Gazäli bezeichnet die Durch-
dringung der Dogmatik mit religiös-ethischen Gesichtspunkten und zugleich
einen der Höbepunkte der dogmatischen Entwicklung des Islam überhaupt. Die letzte Entwicklungsstufe nach, ihm ist das Eindringen der islamischen
Philosophie in die Dogmatik, wie bei an-Nasafi. Einen Rationalisierungs-
versuch der orthodoxen Dogmatik mit apologetisch-reformierender Tendenz
stellen endlich die Lehren des ägyptischen Modernisten Scheich Muhammad
’ Abdu (Nr. 60) dar. Der Hauptteil des Kapitels über die Mystik, Ethikund
Frömmigkeit wird von einer Reihe bedeutender Mystiker von al-Hasan
al-Basri an bis hin zu ’Abdalkarim al-drili eingenommen. In der Auswahl dieser
Abschnitte konnte ich mich an Massignons Recueil anschließen, der von
seinem Herausgeber bezeichnet wird als „un ensemble d’analecta, methodique-
ment presentes aux islamisants, et permettant d’envisager d’un seul coup d’oeil,
au moyen de textes originaux et caracteristiques . . . Thistoire generale du
mysticisme musulman". Ich habe aus dem von Massignon gebrachten
Stoff eine Auswahl des Wichtigsten getroffen und sie durch umfangreichere
Texte von al-HaUäg, al-Gazäli und al-öili sowie kürzere Abschnitte einiger
anderer Autoren ergänzt. Absichtlich ausgeschlossen wurde — bis auf eine
iahaltKch Wichtige kurze Probe von öaläl ad-Dia Rümi — die persische
und türkische mystische Dichtung, deren Hauptreiz und -wert in ihren
poetischen Schönheiten liegt, die in einer Prosaübersetzung nicht zum Aus-
druck kommen können, während sie verschiedentlich gelungene dichterische
Umschmelzungen in europäische Sprachen erfahren haben. Der bedeutende
Hanbalit Ibn al-öauzi bekämpft von seinem Standpunkt des ethischen Tra-
ditionalismus aus das, was ihm besonders in der Mystik, aber auch auf
den anderen Gebieten des islamischen Lebens als Abweichung von der Alt-
gläubigkeit erscheint ; diese seine reformatorische Tendenz verbindet ihn
mit den im folgenden Kapitel vorgeführten Autoren. Ihren Gipfel erreicht
die islamische Ethik mit al-Gazäli durch die Verbindung von traditioneller
Gesetzhchkeit mit mystischer VerinnerHchung ; da umfangreiche Teile seines
Hauptwerkes, die auch Einzelnormen enthalten, zuverlässig übersetzt sind,
wurden hier Texte von ihm aufgenommen, die seine Grundeinstellung veran-
schaidichen. Die RoUe des Propheten in der islamischen Erömmigkeit wird
unter den Mystikern besonders durch al-Halläg (Nr. 32) und al-Öili (Nr. 49),
für eine andere Ebene durch das sehr bekannte Erbauungsbuch des Qädi
’Jjäd illustriert. Zur Charakterisierung der späteren islamischen Frömmigkeit
endlich soUen die Gebete aus dem Weit verbreiteten Gebetbuch des al-öazüli
dienen. Die Unterscheidung zwischen Reformatoren und Modernisten
ist nur eine relative, gleichwohl durch die entgegengesetzte Blickrichtung
und die wesentHch verschiedene Akzentverteüung in beiden Bewegungen
innerlich berechtigt. Jene, die Fortsetzer des alten Traditionalismus, finden
ihren ersten großen Vertreter in Ibn Taimija, zu dem as-San’äni eine inter-
essante Parallele bildet. An Ibn Taimija knüpft die Bewegung der Wahhä-
biten an, deren verschiedene Phasen sich in den drei wiedergegebenen Doku-
menten ausprägen. Unter den Modernisten ist die indische Richtung
die älteste ; der im Grunde apologetisch-tendenziöse Syed Ameer Ali einerseits und der zu religionswissenschaftlicher Erkenntnis fortschreitende Elhuda
Bukhsh andererseits verkörpern ihre beiden Aspekte. Innerhalb der ägyp-
tischen Richtung vertritt Scheich Muhammad "Abdu einen konservativen
Standpunkt, der sich nur zu den notwendigsten Konzessionen herbeiläßt ;
’Ali ’Abdarräziq verwirft zwar die Ergebnisse der überkommenen rehgiösen
Gesetzeswissenschaft, bleibt aber in den Grundlagen und Methoden seiner
Argumentation durchaus bei ihr stehen ; und Tähä Husain will die euro-
päische Methode auch auf Gebiete anwenden, die im Islam bisher als Domäne
der traditionellen rehgiösen Wissenschaften galten. Da von den beiden Rich-
tungen der türkischen Modernismus, der „islämistischen" und der „natio-
nahstischen", Übersetzungen umfangreicherer Texte vorhegen, konnte ich
mich auf das noch nicht übersetzte Programm des Hauptvertreters der
letzteren beschränken.

Diese kurze Charakterisierung der hier vereinigten Texte soll ledigHch
die Brücke zu den bekannten Darstellungen der Geschichte des Islam schlagen,
deren Benutzung durch den Nicht-Islämisten vorausgesetzt ist. Für ihn
sind auch die kurzen Erklärungen der arabischen Termini technici bestimmt,
die bei einmahgem Auftreten als Anmerkungen, bei mehrmaHgem ia dem
alphabetisch angeordneten Anhang gegeben werden. Doch hoffe ich, auch
dem Fachmann Neues zu bringen, sowohl durch die Aufnahme von Texten,
die noch unveröffenthcht oder so gut wie unbekannt sind, wie auch durch
Verbesserungen der bekannten, über die ebenfalls die Anmerkungen unter-
richten ; auch glaube ich, an mehreren Stellen im Verständnis weiter ge-
kommen zu sein als die Übersetzungen in andere Sprachen, die von einigen
unter ihnen vorMegen. Es erübrigt mir noch, Herrn Professor WenSINCK für
die Überlassung der von ihm rekonstruierten ältesten Gestalt des Glaubens-
bekenntnisses des Abu Hanifa und Herrn Geheimrat Bertholbt für seine
Hilfe bei der Korrektur herzKch zu danken und dem während der Über-
setzung der aus seiner Sammlimg stammenden handschriftlichen Texte ver-
storbenen Taimuk Pascha für diese letzte seiner vielen wissenschaftHchen
Liberahtäten eia ehrendes Gedenken zu weihen.

Fr ei bürg i. Br., November 1930.

Joseph Schacht.

Table des matières

Vorwort V
Literaturangaben XI

I. Die Tradition 1

1. Aus der Traditionssammlung des al-Buhäri 1
2. Aus der Traditionssammlung des Muslim 10
3. Aus der Traditionssammlung des Abu Däwüd 13
4. Die Traditionssammlung des an-Nawawi 14

II. Dasreligiöse Gesetz 25

5. Aus einer Sckrift des as-Säfi’i über die Quellen des religiösen Gesetzes . 25
6. Aus einem religionsgesetzlichen Werk des Abu Hamid al-Gazäli ... 27

III. Die Dogmatik 35

7. Das Glaubensbekenntnis des Abu Hanifa 35
8. Aussprüche des Ahmad ibn Hanbai über dogmatische Eragen .... 36
9. Aus einer Schrift des Hanbaliten Ahmad Guläm Halil über die Sunna . 40
10. Aus einem dogmatischen Werk des Ibn Huzainaa 40
11. Lehren des Ma^taziliten Ibrahim an-Nazzäm nach Ibn ar-Rewendi . . 44
12. Aus einer Streitschrift des zaiditischen Imäm al-Qäsim ibn Ibrahim gegen die Manichäer 46

13. Aus einem Werk des Hasan ibn Jüsuf al-’AUäma al-HüIi über si’itische
Dogmatik • 51
14. Zusammenfassung der Lehre der Mu’taziliten über die Einheit Allahs von
al-As’ari 54
15. Die Ansicht des anti-mu’tazUitischen Dogmatikers ’Abdallah ibn KuUäb
über die. Namen und Eigenschaften Allahs nach al-As’ari 55
16. Das Glaubensbekenntnis des al-As’ari 56
17. Aus einem dogmatischen Werk des al-Bagdädi 61
18. Aus einem dogmatischen Werk des Abu Hamid al-Gazäli 69
19. Das Glaubensbekenntnis des an-Nasafi 81

IV, Mystik, EthikundFrömmigkeit 87

20. al-Hasan al-Basri 87
21. Ibrahim ibn Adham 88
22. ’Abdalwähid ibn Zaid 89
23. Rabi’a 90
24. Rabäh al-Qaisi 90
25. Ahmad ibn ’Äsim al-Antäki 90
26. Pun-Nün al-Mi§ri 91
27. Härit al-Muhäsibi 93
28. Bäjazid al-Bistänu 95
29. Sahl at-Tustari 97
30. Abu Su’aib al-Muqaffa’ 98
31. al-Öunaid 98
32. al-Halläg 99
33. Ibn Masarra 106
34. Abu Bakr al-Wäsiti 107
35. al-Qurasi . 108
36. as-Sibli 109
37. an-Nasräbädi 110
38. al-Qusairi 110
39. al-Harawi al-Ansäri 111
40. Abu Hamid al-drazäli 111
41. Ahmad al-drazäli 115
42. Ibn al-Qasji 116
43. ’Abdalqädir al-Kiläni . 117
44. as-Suhrawardi 118
45. Ibn al-Färid 118
46. Ibn al-’Arabi 120
47. as-Sustari 123
48. Öaläl ad-Dln Rümi 123
49. ’Abdalkarim al-Öili 125
50. Aus einer ethischen Reformschrift des Ibn al-öau2ä 128
51. Aus einer Schrift des Qädi ’Ijäd über den Propheten 139
52. Aus einem Gtebetbuch des al-öazüli 144

V. Reformatoren . . 148

53. Aus einer Reformschrift des Ihn Taimija 148
54. Aus einem Sendschreiben des jemenischen Reformators Muhammad ibn
Ismä’il as-San’äni 152
55. Muhammad ihn ’AbdalwaKhäb, der Stifter der Wahhäbiten : Erklärung des Bekemitnisses des Monotheismus 154
56. Aus einer von ’Abdallah, dem Sohne des Stifters, nach der Eiimahme von
Mekka 1218 (= 1803) verfaßten programmatischen Schrift 153
57. Aus einem von Scheich Muhammad ihn ’Abdallatif aus der Familie des
Stifters und von Scheich ’Abdallah ihn ’Abdal’aziz al-’Unquii verfaßten
modernen Sendschreiben 165

VI. Modernisten 168

58. Aus : The Spirit of Islam, a History of the Evolution and Ideals of Islam, von Syed Ameer Ali (Saijid Amir ’Ali) 168
59. Aus : Essays, Indian and Islamic, von S. Elhuda Bukhsh (Hudä Bahs) 173
60. Aus der Schrift über das Bekenntnis des Monotheismus von Scheich
Muhammad ’Abdu 176
61. Aus : Der Islam und die Prinzipien des Staates, Untersuchvmg über Kalifat
und Regierung im Islam, von ’Ali ’Abdarräziq 183
62. Aus : Tähä Husain, Über die Literatur der (arabischen) Heidenzeit . . 185
63. Aus : Die Grundlagen des Türkismus, von Ziya Gök Alp 188
Erklärung arabischer Termini technici 190
Register 192

Voir en ligne : lire l’ouvrage dans son intégralité (éd. 1931)

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