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Koran und Bibel : ein komparativer Versuch (Johannes Sigmund JASPIS)

Johannes Sigmund Jaspis, Koran und Bibel, ein komparativer Versuch, Leipzig, Strübig, 1905, 8+103 p.

Introduction

Es ist eine eigentümliche Erscheinung, dass die
religiösen Bewegungen in der Gegenwart nicht auf die
einzelnen Völker beschränkt bleiben, sondern wir be-
obachten Einflüsse vom "Westen auf den Osten und um-
.gekehrt, die zu tiefen, greifbaren Veränderungen im
ganzen geistigen Leben führen. Die von der Mission in
grossen, weiten heidnischen Distrikten ausgestreuten
Samenkörner sind die IJrsac^hen geworden zu geistiger
und religiöser Umwälzung, die den Volksgeist, das ge-
samte Heidentum selbst zu etwas anderem gemacht
haben. Andererseits sind aber auch auf die christlichen
Völker in Europa und Amerika Bückwirkungen versucht
worden. Bekannt ist z. B., dass der Buddhismus schon
seit längerer Zeit in England und Deutschland Anhänger
wirbt und z. B. in Elberfeld gefunden hat. Manche
philosophischen Systeme lehnen sich an buddhistische
Gedanken an, und versprechen sich aus der Kombination
und Amalgamierung derselben mit dem Christentum
eine künftige Weltreligion. Ist es nun für jeden ge-
bildeten Christen geboten, bei der Beobachtung der
Zeichen der Zeit — Matth. 16 — über die verschiedenen
heidnischen Systeme, die sich leider gegenwärtig viel
Geltung unter dem Deckmantel wissenschaftlicher
Forschung, die man pflegen müsse, zu verschaflfen wissen, sich zu informieren, so woUen wir im Nachstehenden die
magna carta . des Islam, das abgeschlossene und ab-
schliessende Buch Allahs, den Koran, von Sprenger, ein
Buch mit sieben Siegeln genannt, „eine Vermahnung
für alle Kreaturen", Sure XXXVHI, 87, der nicht
allein Keligions-, sondern auch Kechts- und Sittenkodex
ist ; indem der Islam das ganze religiös^politische und
bürgerliche Loben bis zu den alltäglichsten Vornahmen
regelt, näher beleuchten und die Wahrheit des gött
liehen "Worts, die Bibel, ihm gegenüber stellen. Um
dieser Darstellung die grösstmöglichste Objektivität zu
wahren, lassen wir bei der Entwicfcelung der einzelnen
Lehren den Koran und die Bibel selbst
reden (ähnlich wie im vorigen Jahrhundert D. Winer
eine komparative Symbolik verfasst hat), nachdem wir
die Quintessenz der betreffenden Lehre möglichst getreu
an die Spitze des bez. Abschnitts gestellt haben. Was wir Muhammed, das ist der „Vielgepriesene",
von 571 bis 612 n. Chr., nicht verzeihen können, ist,
dass er nicht während seines Lebens seine angeblichen
oder wirklichen Qffenibarungein, welche, wie er sich
selbst häufig ausdrückt, für alle Zeiten den Gläubigen
licht und Leitung sein sollen, nach chronologischer
Ordnung oder nach ihrem Inhalte zu einem Ganzen
sammeln und auch nicht mit der bisweilen für das Ver-
ständnis recht notwendigen historischen Erklärung ver-
sehen liess. Die Offenbarungen sollten nach der Ab-
sicht des Propheten in den Herzen der Menschen leben
und durch die Zunge fortgepflanzt werden. Freilich be-
haupten die Muselmänner, aber offenbar nur um ihren
Propheten zu entschuldigen und die Authentizität des
Koran, der, wie der Name andeutet, bestimmt ist, ge-
lesen, d. h. rezitiert zu werden (dieses Lesen ist im Laufe der Zeiten eine Kunst geworden, denn man liest „da »
heilige Buch" bald rezitierend, bald kantilenierend) Zu
verteidigen, dies »ei nicht nötig gewesen, weil die von
ihm geoffenbarten Verse sogleich von seinen Gefährten
auswendig gelernt und so der Vergessenheit entzogen
wurden. Musste Muhanuned ixicht voraussehen — und
das trat späterhin in der Tat ein — ^ dass bald Streitig-
keiten, wenigstens über den Buchstaben seiner Offen-
barung stattfinden würden ? Musste er nicht fürchten,
dass man ihm Fremdartiges unterschiebe ? ihm, der doch
an verschiedenen Stellen des Koran behauptet : „Juden
und Christen haben die heilige Schrift verfälscht." Für
diese Sorglosigkeit wissen wir keinen andern Grund an-
zugeben, als dass die meisten sogen. Offenbarungen
immer nur von den Umständen des Augenblicks hervor-
gerufen wurden und dah^r nur eine temporäre, d. i.
vorübeigehetide Bedeutung hatten, so dass ihm deren
Aufbewahrung nicht sehr wichtig schien, femer aber,
dass er wegen der vielen Wiederholungen, der so
häufigen üeibergänge vom höchsten Schwulste in die
fadeste und matteste Geschwätzigkeit, der vielen Be-
ziehungen auf uns ganz unbekannte Dinge, der An-
einanderstellung gar nicht zusammengehörender Sätze
und des Hinüber- und Herüberschweifens von einem
Gegenstande zum andern, Erscheinungen, welche seine
Offenbarungen darbieten, sich scheute, sie als Ganzes
der Zukunft zu überliefern und auch immer noch bis
zu seinem Tode, den er doch nicht vorher wusste, zu
weiteren Abänderungen und Zusätzen freien Spielraum
behalten wollte. Die Einteilung des Koran in 114
Suren (Kapitel), einzelne von 2 bis 300 Versen, manche
nur 6 bis 11 („Die XJeberschriften, deren jede Sure eine
erhielt, wurden von einem der Anfangsworte oder von einem einzelnen, darin erwähnten Gegenstande oder
einer Begebenheit hergenommen"), wie wir sie jetzt vor
ims haben^ rührt offenbar nicht von Mnhammed her,
wie die orthodoxen Muselmänner glaniben, obgleicfh sich
nicht leugnen lässt, dase er wenigstens einen Teil des
[Koran in gewissen Abschnitten offenbarte. In Medina
liess er sofort nach Formulierung einer Offenbarung die-
selbe durch einen Abschreiber, namens Zayd, irgendwo
einschalten oder er stellte sie, wenn sich eine Anzahl an-
gehäuft hatte, zu einem besondem Kapitel zusammen.
Es entstand also ein innerlich völlig unzusanmien-
hängendes Werk, wie ein unentwirrbares Chaos, durch
welches sich noch heute eine Fülle von Widersprüchen
durchzieht. Aber auch abgesehen von der Unordnung
in der Gedankenfolge ist der Koran ein durchaus lang-
weiliges und ermüdendes Buch. Ein überaus geringer
Inhalt ist in dem ganzen Werke enthalten. Es war Abu
Bekrs, Muhammeds Nachfolgers, Verdienst, den schrift-
lichen IS’ac’hlass zu sammeln und in Bündel zusammenzu-
binden, später liess der Kalif Omar die Gläubigen auf-
fordern, dass jeder, welcher weniger bekannte Teile des
Koran besitze oder auswendig wisse, dieselben mitteilen
solle. Ein Schreiber stellte dieses Neue unter die schon
vorhandenen Suren oder in anderen zusammen. Vom
Kalifen Othman ist schliesslich 652, dieser auf Papier-
fetzen, Schulterknochen, Leder, Pergament, Schiefer-
tafeln, Palmblätter, Steine aufgeschriebene Koran zu
einem zusammenhängenden Buche verarbeitet worden.
Aber auch diese letzte Zusammenstellung ist wieder mit
den ungeheuersten Unordnungen verbtinden gewesen.
Man stellte nämlich bei der Aufeinanderfolge der Suren
die längsten an den Anfang, die kürzeren zuletzt und so
mag es auf Erden kaum ein Buch geben, welches an wilder Eegellosigkeit und unlogischer Beihenfolge der
Gedanken sich mit dem Koran messen kann. Aber dennoch tritt der Koran mit dem Anspruc’h.
auf ein abgöttisch verehrtes, in allen Lehren nnf ehl-
barefi, auch in politischen und sozialen Dingen, mass-
gebendes, absolut vollkommenes, direkt von Gott dem
Muhammed mitgeteiltes Buch zu sein,^^ das imer-
schaffene Wort, welches seit ewigen Zeiten bei Gott
auf einer wohl verwahrten Tafel existierte und bei Leb-
zeiten Muhammeds durch den Engel Gabriel im Monat
Kamadhan herabgesandt wurde, um nachher stückweise
während 23 Jahre vom Propheten geoffenbart zu
werden. Weil er den Gläubigen etwas absolut Unfehl-
bares in seinen Worten geben wollte, darum führte er
immer Gott selbst redend ein und legte ihm direkt alle
Offenbarungen in den Mund. „Auch finden sich darin
vieleirrtümer, die mit der mangelhaften Bildung
Muhammeds und mit seiner Abhängigkeit vom damaligen
Judenchristentum zusammenhängen. Er macht z. B.
Jakob zum Sohne Abrahams ; die Opferung, die
Abraham an Isaak vollzogen, lässt er an Ismael ge-
schehen ; Maria, die Mutter Jesu, macht er zu einer
Schwester des Moses u. s. w." Manchmal erwähnt er
Männer, die im Alten Testament gar nicht genannt
sind. Kach ihm soll Hud der Stammvater der Juden
sein, z. B. Zalech und Schoaib. Selbstverständlich haben
wir nicht alle Stellen des Koran angeführt, welche den
Lehrtropuö des Islam illustrieren, sondern nur die b e -
deuten deren. Da wir des Arabischen nicht mächtig
waren, haben wir die wortgetreue Uebersetzung des
Korans von Dr. L. Ullmann, 9. Aufl., Bielefeld 1897,
die neuere, von GriguU und vor allem die von Maz
Henning, „Der Koran^^, aus dem Arabischen übertragen und mit einer Einleitung versehen, Leipzig, Druck
und Verlag von Philipp Reclam jun., zu Rate gezogen.
Es bedarf keines Wortes, dass die Bücher der
heiligen Schrift und zwar, wie es niöht anders sein
durfte, die kanonischen, für uns absolut glaub-
würdig, darum die einzige, aber auch vollkommen zu-
reichende Quelle sind, aus der wir unsere christliche Er-
kenntnis schöpfen. Wir haben auch schlechterdings
kein Recht, die Worte des Herrn und der Apostel bloss
bildlich und „geistig" zu fassen, sondern buchstäblich,
weisen entgegengesetzte Behauptungen kurzer Hand ab ;
stellen den Lehrgehalt der Schrift nach der Analogie
des Glaubens, teilweise unter Zuziehung der Glaubens-
lehre, in diesem Sinne allein fest und überlassen es nun
dem Urteil der Leser, zu entscheiden, auf welcher Seite
die Wahrheit liegt und wo der Irrtum. Wir haben uns
absichtlich bei der Darstellung der Bibellehre einer mög-
lichsten Ausführlichkeit befleissigt, um die „Wahrheit"
nicht nur, sondern auch die Herrlichkeit der-
selben, die leider in der evangelischen Kirche, die sie
früher am meisten bewahrt hat, in der Gregenwart
mannigfach unter den Scheffel gestellt und verdächtigt
’wird, deutlich hervortreten zu lassen. (Vergl. die an-
geschwollene Literatur zu „Bibel und Babel"). Sehr viel
Anregung gewannen wir in dem bahnbrechenden Werke
von Robert Falke „Buddha, Mohammed, Christus, ein
Vergleich der drei Persönlichkeiten und ihrer Re-
ligionen." Erster darstellender Teil : Vergleich der drei
Persönlichkeiten. Gütersloh, Druck und Verlag von
C. Bertelsmann. 18&6. Zweiter systematischer Teil.
Vergleich der drei Religionen, ebenda. 1897. Dieser
Teil, der für uns besonders in Betracht kam, erörtert
die Lehre von Gott, der Welt, dem Menschen, der Sünde, der Erlösung, vom Jenseits. Kultus und Gemeinde. Die Sittenlehre. Wenn wir den in der er-
wähnten Schrift niedergelegten Untersuchungen gern
uns angeschlossen haben, so glaubten wir dem Artikel
von der Person und dem Werke Jesu Christi eine
grössere Ausdehnung einräumen zu müflsen, wobei uns
ein älteres Buch : Gerock, Versuch einer Darstellung
der Christologie des Kx>ran, 1889 zu statten kam. Neben
der grösseren Schrift R. Falkes nahmen wir Einsicht in
ein anderes von demselben : „Zum "Kampfe der drei Welt
religionen." Ein Katechismus für die wahrheitsuchenden
Leute. Gütersloh 1902. Mit dessen Auffassung wir uns
im wesentlichen bis auf die Aeusserung Seite 21, wo der
Verfasser meint, dass die Geschichte von der Versuchung
Christi durch den Teufel „selbstverständlich bildlich ge-
meint sei," S. 70, wo er erwähnt, Jesus sei nicht Gott
selbst, sondern ein Teil von ihm und S. 85, wo der Ver-
fasser zur sogen. „Wiederbringung aller Dinge" neigt,
einverstanden erklären. Alb. Kuenen, „Volksreligion und
Weltreligion", fünf Vorleeungeir aus dem Englischen,
1855, haben wir verglichen und seinen Standpunkt
S. 102 dargelegt. Andere Schriften, wie z. B. P. D.
Chantepie de la Saussaye, Lehrbuch der Religionsge*
schichte, I. Bd., Freiburg 1897, S. 826—868 hat uns in
hohem Grade interessiert und eine gebührende Anregung
und Würdigung gefunden, das von Fr. Rückert „Der
Koran", 1888, war wegen der Entlegenheit des Wohn-
ortes ims nicht zugänglich, dagegen haben wir in dem
Jahrbuch der deutschen Orientmission von Dr. Johannes
Lepsius, Berlin 1903, von den in unsere Arbeit ein-
schlägigen Artikeln mit grossem Gewinn Kenntnis ge-
nommen. Nur schüchtern lassen wir diesen Versuch — denn
nur als solcher will dieses Schriftchen angesehen werden
und beurteilt sein — in die Oeffentlichkeit ausgehen, mit
dem Wunsche, dass in unserer von allerlei Bichtungen
durchfluteten Zeit, die sowohl in dogmatischer als auch
ethischer Hinsicht bis in die höchsten Kreise gewaltig
angekränkelt ist, der schlichte, aber unumstösslich allein
zu Eecht bestehende Glaube unserer Väter fortan allein
das Wort führe und entscheide und das Motto auf dem
Titelblatt, mit dem wir es aussenden, die Losung aller
seiner Leser mehr und mehr werde.

Greifswald, am Tage Jakcbi 1905. J.

Table des matières

  • Einleitung 1
  • Zur Charakteristik Mnhammeds und seiner Religion
  • Lehre des Koran vom Wesen Gottes
  • Lehre der Bibel darüber
  • Lehre des Koran über die Weltschöpfang und Erhaltung
  • Lehre der Bibel von der Schöpfung und Vorsehung
  • Lehre des Koran von der Dreieinigkeit
  • Lehre der Bibel darüber
  • Lehre des Koran von den Engeln
  • Lehre der Bibel darüber
  • Lehre des Koran vom Teufel
  • Lehre der Bibel von dem Satan
  • Lehre d« r Bibel über die Schöpfung der Mensche
  • Lehre des Koran von der Sünde
  • Lehre der Bibel von der Sünde
  • Lehre des Koran von der Erlösung
  • Lehre der Bibel von der Erlösung
  • Lehre des Koran von Jesu Christo
  • Lehre der Bibel von Jesu Christo
  • Lehre des Koran über den Glauben und Unglauben
  • Lehre der Bibel über den Glauben und Unglauben
  • Lehre des Koran vom Tode
  • Lehre der Bibel darüber
  • Lehre des Koran yon der Anferwecknng der Toten
  • Lehre der Bibel darüber
  • Lehre des Koran von dem Jenseits and dem jüngsten Tag
  • Lehre der Bibel von dem Weltgericht nnd dem jüngsten Tag
  • Lehre des Koran von dem Ort der Verdammten
  • Lehre der Bibe} von der ewigen Verdammnis
  • Lehre des Koran vom ewigen Leben
  • Lehre der Bibel darüber
  • Sittenlehre des Koran
  • Lehre der Bibel von dem Gesetz und dem sittlichen Leben
  • Ansicht Dr. Kuenens

Voir en ligne : lire l’ouvrage dans son intégralité (éd. 1905)

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