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Die Chadhirlegende und der Alexanderroman ; eine sagenge-schichtliche und literarhistorische Untersuchung (Israel FRIEDLAENDER)

 

Friedlaender (Israel), Die Chadhirlegende und der Alexanderroman, eine sagenge-schichtliche und literarhistorische Untersuchung, Berlin, Druck und verlag von B. G. Teubner, 1913, 338 p.

L’auteur

Israël Friedlander (ou Friedlaender), (6 Septembre 1876 - 5 Juillet 1920) était un rabbin, un enseignant et un bibliste. Il est né à Kovel (Ukraine). Il fut étudiant à l’Université de Berlin et de Strasbourg, où en 1901 il a obtenu son doctorat. Il devint Rabbi au séminaire de Hildesheimer à Berlin. Arabisant, il a été professeur à New-York de littérature biblique au Séminaire théologique juif d’Amérique où il enseigna la Bible, la philosophie et l’histoire.

Préface (sans les notes de bas de pages)

„Cliadliir ist die Erde ; er ist das Meer ; er ist der Himmel. Ja, er ist noch vieles andere daneben. Chadhir ist ein wahr- liafter Proteus. Er nimmt alle moglichen Formen an oder, rich- tiger gesagt, er gleicht einem GefaBe, in welcliem die Volkssage die mythologischen Uberreste jedweder Herkunft abgelagert hat … Es ware von hohem Interesse, die Sagengeschichte dieser Figur, in der sich wie in einem plumpen Mikrokosmos die syrische Sagenwelt voll und ganz abspiegelt, auf Grund der arabischen Elemente, in ihrer Gesamtheit zu rekon- struieren . . . Allein es ware ein miifiiges Unternehmen , woUte man versuchen, zwischen den disparaten, ja widerspruchsvoUen Bestandteilen, aus denen sich jene Figur zusammensetzt, tJber- gange herzustellen, die niemala existiert haben Die einzig. berechtigte Methode miifite darin bestehen, die Fragmente, die jene Sagengestalt bilden, voneinauder loszulosenund sie versuchs- weise nach ihrer verschiedenartigen Herkunft zu gruppieren."

In diesen bereits im Jahre 1877 geauBerten Siitzen Cler- mont-Ganneaus^ sind zugleich die unbegrenzten Dimensionen des Chadhirproblems und die scharf begrenzten Linien, innerhalb deren die Behandlung desselben sich bewegen mu6, treffend gekennzeichnet. Chadhir ist niclit nur eine der wichtigsten Ge- stalten der muliammedanischen Legende. Er ist auch die wich- tigste, wenn nicht die einzige, Figur der muhammedanischen Mythologie.^ Der Gottesbegriff des Islams, der, wie jeder kon- sequente Monotheismus, alle Mythologie ausschlieBt, hat die Durchbildung der Chadhirvorstellung zu einer system atisch en Chadhirreligion vereitelt.^ Allein gerade dieser starre Mono- theismus, der den Menschen als den Sklaven des unumschrank- ten Weltenmeisters auffafit^ und jegliche Vertraulichkeit und Annaherung ausschliefit, war es anderseits, der ein Mittelwesen zwischen dem unnahbaren himmlischen Herrn und dem hilfs- bediirftigen armseligen Erdenbewohner notwendig machte, und der Chadhir, trotz des heftigen Widerspruches der groBten isla- mischen Autoritaten, die ihn lediglich als Heiligen oder Pro- pheten gelten lassen mochten^, zum ewiglebenden allgegenwar- tigen Schutzgenius der muhammedanischen Gemeinde beforderte, ja ihn im formlosen Volksglauben der unwissenden Menge ge- radezu zu einem Gotte werden lieB.^ Diese Bedeutung Chadhirs als muhammedanischer Heiligermnd als die Verkorperung mytho- logischer Vorstellungen macht es erklarlich, da6 die Chadhir- sage nicht nur zu alien moglichen Gestalten der jiidischen und christlichen Legende in Beziehung trat, sondern auch mit den alten mythologischen Vorstellungen mannigfaltigster Herkunft, die in den vom Islam uuterworfenen Landern in der Volksmasse weiterlebten, direkt in Verbindung gebracht wurde. Das Chadhir- problem reicht somit genau so weit wie die Geistesgeschichte des Islams ; seine Beziehungsmogliclikeiten lassen sich ebenso- wenig begrenzen, wie die des Islams selber. Anderseits ist es gerade diese Unbegrenztheit des Problems, die eine Begrenzung in der Behandlung desselben zur unabweisbaren Forderuno- macht. Die Erfolglosigkeit der friiheren Losungsversuche ist zu einem groBen Teile auf die Tatsache zuriickzufiihren, daB sie das Chadbirproblem als Ganzes anfaBten. Diese Behand- lungsweise muBte naturgemaB, weil eine zureichende Kenntnis samtlicher in Betracht kommender Ideenkreise kaum einem Sterblichen gegeben ist, zu farblosen, allgemein gebaltenen Gegeniiberstellungen fiibren, die insbesondere auf dem Gebiete der Volkssage, in der nur das scharf umgrenzte farbige Detail entscheidet, ohne Beweiskraft und Bedeutung sind. „Die einzig berechtigte Methode miiBte darin besteben, die Fragmente, die jene Sagengestalt bilden, voneinander loszulosen und sie ver- sucbsweise nacb ibrer verscbiedenartigen Herkunft zu grup- pieren."

Ein Versucb in dieser Richtung will die folgende Studie sein, die sich auf einen bestimmten Teil der Gesamtaufgabe bescbrankt und die Beziebungen zwiscben der Chadbirlegende und dem Alexanderroman zum Gegenstand hat. Auf diese Beziebungen weisen die muhammedaniscben Gelebrten selber bin.^ Ibr Wink ist jedocb unbeacbtet geblieben. Noldeke wies gelegentlieb — denn es gehorte nur indirekt zu seinem Tbema — auf diesen Zusammenbang in seinen epocbemacbenden Beitrdgen zur Geschichte des Alexanderromans bin.^ Sein Hinweis wurde mebrfacb zitiert, aber nicht weiter verfolgt. Aucb Verfasser straubte sich lange dagegen, das uferlose Gebiet des Alexander-

romans zu betreten. Von der von Rohde^ verfochtenen An- schauung ausgehend, daB samtliche orientalische Gestalten des Alexanderromans und somit auch die Lebensquellepisode aus dem griechischen Pseudokallisthenes stammen, begniigte ich micli anfangs damit, die griechische Form der Lebensquellsage, die icb nur aus zweiter Hand kannte, mit den muhammedani- schen Daten fliichtig zu vergleichen und meine Schliisse darans zu Ziehen. Diese Methode stellte sich jedocb beim weiteren Studium des arabiscben Chadbirmaterials als unzulanglich beraus. Bestimmte Ziige der arabiscben Sage legten die Vermutung nabe, dafi die letztere durcbaus nicbt voni griecbiscben Roman in der uns vorliegenden Gestalt berstammt, ja in mancben Punkten diesem gegeniiber urspriinglicber ist. Die Untersucbung der anderen orientaliscben Formen der Sage ergab ein abnlicbes Resultat und bewies, da6 das Verbaltnis zwiscben diesen und dem griecbiscben Roman ein viel komplizierteres ist als bisber angenommen wurde. ’Diese Erkenntnis notigte micb, trotz alien Widerstrebens, dem griecbiscben Pseudokallisthenes, ins- besondere dem Olympiasbrief, dessen Komposition, wie bekannt, noch verwickelter ist als die der iibrigen Telle des Romans, naberzutreten. Das Resultat dieser Untersucbung liegt im ersten Abschnitt dieser Arbeit vor. Es lag mir nichts fernei-, als einen Beitrag zur klassiscben Pbilologie, die voUig abseits Yon meinem Studiengebiet liegt, liefern zu wollen. Es kam mir lediglicb darauf an, an der Hand des griecbiscben Alexanderromans in seinen verschiedenen, nacb meiner Ansicht, nicbt geniigend gewiirdigten Varianten die Form der Sage zu rekonstruieren, aus der die Cbadbirvorstellung floB. Zu dem- selben Zwecke wurde die talmudiscbe und die syriscbe Version der Lebensquellsage des genauern untersucbt. Es mag auf den ersten Blick scbeinen, als ob die detaillierte Bebandlimg des griecbiscben Pseudokallisthenes und der anderen orien-talischen Versionen in keinem richtigen Verhaltnis zum eigent- lichen Gegenstand dieses Buches stehe. Es wird sich jedoch im Verlaufe dieser Abhandlung’, namentlich im zweiten Teile, in dem die zusammenhiingenden Chadliirversionen zur Darstel- lung gelangen, herausstellen, daB nichts in den Rahmen der Betrachtung gezogen wurde, was nicht von direktem oder in- direktem EinfluB auf die Chadhirsage war.

Bei dem engen, ja unzerreifibaren Zusammenliang zwisehen der Chadhirlegende und dem Alexanderroman war es unvermeid- licli, die Entwicklung des letzteren bei den Mubammedanern in den Kreis unserer Betracbtung zu zieben. Eine systema- tiscbe Bebandlung des arabiscben Alexanderromans wird man in diesem Bucbe nicbt finden. Sie lag weder im Rabmen des- selben, nocb ist, bei dem Mangel an den notigen Vorarbeiten, fiir eine solcbe Bebandlung die Zeit gekommen.

Bei der Bearbeitung des in der mubammedaniscben Tradition oder dem sogenannten Haditb niedergelegten Sagenstoffes stieB icb auf Scbwierigkeiten, von deren komplizierter Natur sicli der Nicbtfacbmann kaum eine adaquate Vorstellung macben kann. Das Material, bei dessen Sammlung und Anordnung alle moglicben Gesicbtspunkte, mit Ausnabme des bistoriscben, — des einzigen Gesicbtspunktes, der uns bier interessiert, — obgewaltet baben, macbte anfangs jeglicben Versuch einer Gliederung und gescbicbtlicben Verwertung zunicbte. Sollte es mir dennocli einigermaBen gelungen sein, den cbaotiscben Stoff systematiscb geordnet und in einen sagengescbicbtlicben Zusammenbang ein- gereibt zu baben, so braucbe icb den Kennern nicbt zu sagen, dafi dies nur durcb die Anwendung der von Goldziber ein- gefiibrten und mit unnacbabmlicber Meisterscbaft gebandbabten Metbode der Hadltbbebandlung mogiicb war.

Im zweiten Telle dieser Abbandlung war es mir vergonnt, aus den reicben Handscbriftenscbatzen des Britisb Museum neues und, wie icb glaube, wertvolles Material zur Gescbicbte der Cbadbirlecrende zu beben. Auf YoUstandigkeit wollen die in diesem Teile reproduzierten Chadhirversionen oder, wenn man will, Chadhirromane in keiner Weise Anspruch erhebeu. Bei der nngeheuren Ausdehuung des Materials wird dessen Siclitung und Bearbeitung wohl noch auf viele Jahre binaus die Wissenschaft bescbaftigen. Doch boffe icb, da6 es mir ge- lungen ist, wenigstens die typiscben Gestalten der Chadbir- legende vorzufiibren und die Ricbtungslinien anzudeuten, inner- halb deren die kiinftige Forscbung auf diesem Spezialgebiet sich bewegen mu6, wenn sie sicli nicht ins Uferlose verlieren will.

Die Arbeit, die einen wesentlicli mubammedanischen Legen- denstoflf bebandelt, wendet sicb trotzdem iiiclit bloB an den Islam- forscher und Semitisten, sondern will zugleich dem Religions- historiker und Mythologen dienlich sein. Mit Riicksiclit auf diesen Zweck der Arbeit liabe icli mich iiberall bemiibt, auch dem Nichtsemitisten verstaudlicb zu sein. Beim Cbarakter des Gegen- standes war ein Eingeben auf Details nicht zu vermeiden nocli lieB sicb, oline dem Fortgang der Untersucliuiig Abbruch zu tun, alles facbmannische Beiwerk beiseite schieben. Doch ist auch bier durch die Ubersetzung und Erlauterung der orienta- lischen Texte der Nichtfachmann in den Stand gesetzt. dem Laufe der Untersuchung zu folgen.

Mit Riicksicht auf diesen Charakter des Buches babe ich mich auch bei der Transkription semitischer Namen und Wor- ter von jener Pedanterie fernzuhalten gesucht, die gerade jetzt in orientalistischen Kreisen vielfach beliebt ist. Namentlich babe ich Wert darauf gelegt, daB der Text, zum Unterschied von den FuBnoten, von diesen sinnverwirrenden Finessen frei bleibt. Ich bedaure jetzt, daB ich in dieser Beziebung nicht weit genug gegangen bin und die semitiscben Laute nicht systematischer dem deutschen Alphabet angepaBt babe. DaB sich hierbei viele Inkonsequenzen ergaben, weiB ich nur allzuwohl. Allein der Nichtsemitist wird sie kaum bemerken, wahrend der Fachmann sich hoffentlich liber sie hinwessetzen wird.

An dieser Stelle mochte ich auch die Griinde angeben, die inich veranlafit haben, die Namensform Chidher, die durch das bekannte Riickertsclie Gedicht und nunmehr durch den Aufsatz von Vollers (Archiv fiir Religionswissenschaft XII 234ff.) gewissermaBen das Biirgerrecht erlangt hat, durch die fremd- artiger anmutende Form Chadhir zu ersetzen. Beide Formen werden von den arabischen Lexikographen fiir zulassig erklart. Chadhir ist ohne Zweifel die urspriingliche Form, wahrend Chidhr (Chidher) eine populare Verkiirzung derselben ist.’ In sorfaltigen Texteditionen wird die eine wie die andere Aus- sprache angegeben. Beide Formen lassen sich im Metrum be- legen^ und werden auch in den Transkriptionen der anderen Sprachen^ reflektiert. Philologisch betrachtet ist Chadhir ein Adjektiv in der Bedeutung „Grun", mit dem Artikel (al- Chadhir) „der Griine." Chidhr dagegen hat die Form eines No mens und diirfte eher „Grunes, Griin" bedeuten. Man wird unten sehen, dafi der Schliissel zur Identifikation unseres Sagenhelden in dessen Bezeichnung als „der Griine" liegt. Wenn ich mich daher der weniger popularen Namensform Chadhir bediene, so tue ich es nicht aus puristischen Motiven, die hier schlecht am Platze w’aren, sondern aus dem Bestreben heraus, den XJrsprung der Chadhirgestalt aus der urspriinglichen Namensform hervor- treten zu lassen.

Das dem Buche vorausgeschickte Verzeiclmis der benutzten Druckwerke und Handschriften will nicht nur die Identifikation der in dieser Arbeit gebrauchten Titelverkiirzungen ermoglichen, sondern zugleich demjenigen, der sicb in die Cliadhirliteratur vertiefen Avill, als bibliograpbiscbes Hilfsmittel dienen. Ich fiirchte, da6 ich aucli in dieser Beziehung inkonsequent ver- fabren bin und da6 icb namentlich in der Anfiibrung von Biicbertiteln mir allerlei Unebeubeiten babe zuscbulden kommen lassen. Insbesondere bedaure icb, daB icb Noldekes „Beitrage zur Gescbicbte des Alexanderromans", die fast auf jeder Seite zitiert werden, mit einer unzulassigen Abkiirzung, die mir erst nacb der Drucklegung zu BewuBtsein gekommen ist, fortwiibrend als „Beitrage zum Alexanderroman" anfiibre.

Ein Wort iiber die das Bucb begleitenden Indices. Index A ist aus meinen eigenen Erfabrimgen mit dem bier bebaudelten Stoffe bervorgesfangen. Die auBerordentiicbe Zerstreutbeit des Materials und die sinnverwirrende Fiille der Rezensionen, die ofters gerade in Kleinigkeiten ibre Wicbtigkeit verraten, macben es ungemein scbwierig, einen tJberblick iiber das Ganze zu ge- winnen. Die Zusammenstellung in Index A will dem Gedacbtnis des Lesers zu Hilfe kommen und ibn in den Stand setzen, die zablreicben Varianten der Lebensquellsage und die ibnen zugruude liegenden Motive bequem zu liberscbauen und s€ nicbt nur in ibrem gegenseitigen Verbaltnis, sondern aucb in ibrem allmablicben Wacbstum zu beobacbten. Index B ist wesentlicb (jedocb nicbt ausscblieBlicb)NamenYerzeicbnis, dalndexAseinem Inbalte nacb als Sacbregister dienen kann. Riicksicbten auf Raumersparnis lieBen eine Bescbrankung auf bare Seitenzablen notwendig erscbeinen. Nur bei ^Cbadbir" und „Dul-qarnein", bei denen bloBe Zablenangaben voUkommen zwecklos waren, ist eine genauere Spezifikation gegeben. Icb bojffe, daB sie den Titel- belden des Bucbes einigermaBen gerecbt wird.

Einige Partien des vorliegenden Werkes sind bereits friiber im Druck erscbienen. S. 1 — 67 und S. 107 — 123 sind urspriing- lich ini dreizehnten Bande des „Arcliivs fiir Religionswissenschaft" (Jahrgangl910)unter demTitel„ Alexanders Zugnach demLebens- quell und die Chadhirlegende" veroffentlicht worden. Das weitlau- fige Kapitel iiber „Die muhammedanische Tradition" (S.67 — 107) ersclieint hier zum ersten Male. Der zweite Teil dieser Arbeit (S. 123 — 250) ist samt und senders neu. Von den Appendices ist der erste, „Zur Geschichte der Cbadbivlegende" betitelt (S.250 — 276), eine teilweise Reproduktion meines kurzen Artikels mit gleicher Uberschrift, der ebenfalls im dreizehnten Bande des Archivs fiir Religionswissenschaft zum Abdruck gelangte. Es schien dem Verfasser ratsam, diese Arbeit, die das gesamte Chadhirproblem in seinen Grundlinien skizziert, der vorliegenden Abhandlung, die sich auf eine eiuzige Phase des Problems be- schrankt, anhangsweise folgen zu lassen, obwohl sich hierbei die Notwendigkeit ergab, auf den ersten paar Seiten manches, was durch die ausfiihrliche Behandluug in diesem Buche iiber- fiiissig geworden war, kurz zu wiederholen. Ich darf vielleicht hinzufiigen, daB der Artikel nicht nur vollig umgearbeitet, son- dern auch um ein Bedeutendes vermehrt worden ist. Der zweite Appendix „Pu’l-qarnein und Alexander der GroBe" (S. 276 — 301) ist vollstandig neu und stellt zum ersten Male die in der muham- medanischen Literatur zirkulierenden Vermutungen iiber Identitat und Lebenszeit Alexanders systematisch zusammen. Appendix F (S. 30o — 306) ist ebenfalls neu, wiihrend Appendices C, D und E (S. 301 — 305) urspriinglich in dem bereits erwahnten Aufsatz „Alexanders Zug nach dem Lebensquell und die Chadhirlegende" als FuBnoten figurierten. Die Textbeilagen erscheinen hier selbst- verstandlich zum ersten Male^ und im ganzen iibersteigen die gedruckten Telle die ungedruckten um mehr als das Dreifache. Ich brauche kaum ausdriicklich hervorzuheben, daB auch die bereits gedruckten Partien einer griindlichen Revision unterzogen worden sind.

Die Erforschung des Verhaltnisses zwischen der Chadhir- legende und dem Alexanderroman tragt nicht nur dazu bei, Licht ins dunkle Chadhirproblem zu bringen, sondern ist zu- gleich weit dariiber hinaus geeignet, das Verbaltnis zwischen Dichtung und Wahrbeit im Geistesleben der Volker zu illustrieren. Wenn das Dicbterwort : „Was sicb nie und ninimer bat begeben, das allein veraltet nie" auf Wabrbeit berubt, dann diirfte es kaum eine glanzendere Bestatigung desselben geben als das Verbaltnis der Cbadbirlegende zuni Alexanderroman in der Vorstellungs- welt des Islams. Die titanenbafte Gestalt des mazedoniscben Welteroberes, dessen Taten mit unverloscblicben Spuren in die Gescbicbte der Menscbbeit eingebrannt sind, bat sicb voU- standig in Mytbendunst aufgelost. Sein sagenbafter Vezir al-Cbadbir, der ein reines Pbantasiegebilde ist und der seinen Nam en und seinen Cbarakter einer gedanklicbeu Kombination verdankt, bat sicb zu einer Personlicbkeit verdicbtet, die ins voile Menscbenleben eingreift und die Millionen und Aber- millionen von Menscben als Heifer und Troster, als Lehrer und Ratgeber in alien Noten des Daseins erscbeint.

Bevor icb diese Arbeit, die micb mit vielen Unterbrecbungen ein voiles Jabrzebnt bescbaftigt bat, in die Offentlicbkeit zieben lasse, ist es mir ein Bediirfnis, den Institutionen und Personen, die micb bei meiner Aufgabe unterstiitzt baben, meinen Tribut der Dankbarkeit zu zollen.

Icb betracbte es als eine besonders giinstige Fiigung, da6 es mir im Laufe der Entstebung dieses Bucbes vergonnt war, mebrere Sommer am British Museum zu arbeiten. Icb boffe, da6 diese Abbandlung, die in ibren Hauptteilen in dieser klassi- scben Werkstatte der Wissenscbaft entstanden ist, die Spuren

ihres Entstehungsortes nicht ganz und gar verleugnet. Mit Ausnahm’e der Berliner Handschrift des Ikmal ad-dln von Ibn Babuje, die mir in zuvorkommendster Weise nach London ge- schickt wurde, stammen alle in dieser Abhandlung benutzten Handschriften aus dem British Museum. Ich empfinde es als besonderes Bediirfnis, dem Vorsteher und den Beamten des Oriental Department fiir ihre auBerordentlicbe Liebenswiirdigkeit und unermiidliche Hilfsbereitschaft, die mir meine Aufgabe wesentlicb erleichtert haben, meinen tiefgefiiblten Dank auszu- sprechen.

Zu Danke bin ich ebenfalls Herrn Professor Dr. Richard Wiinsch, dem Herausgeber des „Archivs fiir Religionswissen- schaft", verpflichtet, der mir nicht nur die Pforten seiner Zeit- schrift weit geoffnet, sondern auch durch seine freundliche Ver- mittelung das Erscheinen dieses Buches in der vorliegenden Form ermoglicht hat.

Meinen innigsten Dank aber schulde ich dem Manne, dessen Namen ich rait seiner giitigen Erlaubnis an die Spitze dieses Werkes setzen durfte. Herr Professor Theodor Noldeke hat mit der ihm eigenen Liebenswiirdigkeit und Hilfsbereitschaft die Korrektur dieses Werkes gelesen und dasselbe nicht nur von allerlei Irrtiimern und stilistischen Unebenheiten befreit, sondern es zugleich durch eine Anzahl wertvoUer Bemerkungen, die in den Nachtragen zusammengestellt sind, bereichert. Ohne seine bessernde Hand und sein bestatigendes Urteil hatte ich kaum den Mut gefunden, dieses Buch, welches der wissenschaft- lichen Hypothese einen so breiten Raum gewahrt und Grebiete behandelt, auf denen ich mich zum Teil nur mit Miihe zurecht- finden kann, in die Welt hinauszusenden. Doch viel mehr als fiir dieseu einmaligen Liebesdienst bin ich Herrn Professor Noldeke fiir seine wohlwollende und freundschaftliche Gesinnung dankbar, die er mir auch von weiter Feme her fortgesetzt be- zeugt, und die hauptsachlich dazu beigetragen hat, mich, trotz veranderter Lebensverhaltnisse und Berufspflichten, an meinem ursprunglichen Studiengebiet festzubalteu. Die ersten Ideen zu diesem Buche kamen mir vor nunmehr zebn Jahren, als ich mit Hilfe iind auf Anregung von Professor Noldeke mit der Vorbereitung meiner Habilitationsscbrift beschaftigt war. Und wenn ich es jetzt wage, dem Bucbe, welches der AusfluB jener Ideen ist, den Namen Noldekes vorzusetzen, so denke ich hierbei weder an den Verfasser der epochemachenden „Beitrage zur Geschichte des Alexanderromans"noch an den unerreichbaren Meister der semitiscben Wissenschaft, sondern an meinen lieben alten Lebrer, dessen Anregung und Ermunterung diese Arbeit nicbt nur ibre Entstehung, sondern auch ibre VoUendung verdankt.

New York, den 21. Marz 1912.

I. F.

Table des matières

Vorrede V

Literatur XVUI

A. Der Ursprung der Chadhirlegende 1

1. Pseudokallisthenes 2

2. Der babylonische Talmud 42

3. Die syrische Homilie 50

4. Der Koran 61

5. Die muhammedanische Tradition 67

6. Chadhir als Seedilmon 107

B. Die muhammedanischen Chadhirvereionen 128

1. Ibn Babuje 126

2. ’Omixra 129

3. Ta’labi 162

4. Die Moriacoveraion 173

5. Suri 179

6. ibn Hischam 191

7. Firdausi 204

8. Nizami 209

9. Die atbiopische Alexanderversion 217

10. Einzelnes iiber Chadhir und Alexander 230

11. Ergebnisse 241

Appendices 250

Appendix A. Zur Geschichte der Chadhirlegende …. 250

Appendix B. Du’l-qarnein und Alexander der GroBe . . . 276

Appendix C. Die Verwandlung des Seedamons 301

Appendix D. Magma’^al-bahrein 302

Appendix E. Chadhir an einem See ; • 305

Appendix F. Chadhir- Matun . . . . / 305

Textbeilagen 307

Nachtrage (von Professor Noldeke) 323

Indices •> 326

Voir en ligne: lire l’ouvrage dans son intégralité (éd. 1913).
 
 
Publié le vendredi 27 août 2010

 
 
 
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